Mit Blick von den Rängen ins Grün

von Prof. Thomas Fenner, Chef der FSWLA Landschaftsarchitektur

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Der erste Eindruck zählt – dieses Prinzip gilt auch in der Architektur. Ein Wohn- oder Bürohaus nehmen wir natürlich nicht erst an der Haustür wahr, sondern bereits, wenn wir uns annähern. Deshalb sollen die von uns gestalteten Grünanlagen des Living Circle Bewohnern und Besuchern einen heiteren Empfang bereiten und eine gute Atmosphäre schaffen.

Beim Living Circle wollten wir die außergewöhnliche Architektur der Gebäude mit runden Formen und unterschiedlichen Gebäudehöhen auch in den Innenhöfen sichtbar machen: Die Mietergärten der Town Houses sind unterschiedlich tief, in den öffentlichen Bereichen haben wir uns für eine lockere, parkähnliche Bepflanzung mit mehrtriebigen Bäumen und Sträuchern wie Kirschen, Felsenbirnen oder Hartriegel entschieden. Es gibt keine Staudenflächen, dafür viel Rasen. Viele Bäume und Sträucher stehen leicht erhöht, da die Anlagen ja auf der Tiefgarage aufsetzen und wir für große Pflanzen etwas mehr Erdreich brauchten.

Die Wege sind mal enger und mal breiter – jeder der sieben großen Außenbereiche ist unverwechselbar. Auch die Feuerwehr kommt gut überall ran: Dank einiger Schotterrasenflächen neben den Wegen brauchen wir keine betonierten Zufahrten. Die Grünanlagen sind das Bett, auf dem die Gebäude stehen. Dabei haben Stadtplaner herausgefunden, dass wir im urbanen Raum gar nicht viel Grün brauchen. Aber es muss gut gemacht sein!

Auf die immergrüne „Trendbepflanzung“ der vergangenen Jahre – Bambus oder Buchsbaumkugeln – haben wir im Living Circle bewusst verzichtet. Wir wollten die vier Jahreszeiten erlebbar machen: mal Blüten, mal Früchte, mal buntes Laub. Im Sommer Schatten und im Winter kahl.

Von ihren Balkonen aus werden die meisten Mieter die Grünanlagen von oben betrachten. Wie von den Rängen einer Oper oder in der Freilichtbühne schauen sie auf die Außenanlagen wie auf ein Bühnenbild. Und wenn sich die Bühne dann mit Leben füllt, wenn die Menschen sich dort gern aufhalten – junge wie alte – dann ist das für uns das größte Kompliment. Wir Landschaftsarchitekten haben dabei einen großen Vorteil gegenüber unseren Kollegen, die Gebäude planen und entwerfen: angelegte Natur wächst und wird über die Jahre immer schöner. Das wird auch im Living Circle so sein.

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