Ein zweites Leben

von Harald Wennemar (rechts), neben Oliver Konrath einer der Gründer und Geschäftsführer des Architekturbüros Konrath und Wennemar

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Dass Bürogebäude die Chance auf ein zweites Leben bekommen, ist eher ungewöhnlich. Zu speziell sind oft die ursprünglichen Anforderungen und Entwürfe der Architekten. Das ehemalige Thyssen Trade Center in Düsseldorf-Flingern hatte vor drei Jahren eine solche Chance bekommen und wir vom Architekturbüro Konrath und Wennemar haben geholfen, sie zu nutzen: Als Wohnquartier mit 340 Mietwohnungen ist der Gebäudekomplex im vergangenen Jahr in ein zweites Leben gestartet. Als Wohnquartier Living Circle.

Am Anfang unserer Planungen stand die Entscheidung zwischen Abbruch oder Umbau. Der federführende Immobilienentwickler Catella hatte sich dann nach Beratungen mit allen Partnern für den Umbau entschieden. Technisch sollte das machbar sein. Aber wollten die Leute auch in einem ehemaligen Bürogebäude wohnen? Uns war klar: Auch diese Frage mussten wir bei unserem Entwurf berücksichtigen. Die tiefen Erdgeschossbereiche, wo früher Mensa und IT saßen, wurden also zurückgebaut, um Platz für Freiräume und Mietergärten zu schaffen. Jede Wohnung in den Obergeschossen erhielt mindestens einen hängenden Balkon.

Auch im Inneren der runden oder halbrunden Gebäudesegmente des Living Circle, bei den Grundrissen der Wohnungen, mussten wir vieles neu denken – oder für ein zweites Leben vorbereiten. Natürlich baut sich niemand ein halbrundes Bett oder eine ovale Küche – nur wegen der äußeren Gebäudeform. Alle Innenwände mussten also absolut gerade sein und sind es auch. Für die ein bis zwei Bäder pro Wohnung waren insgesamt rund 7.000 sogenannte Kernbohrungen durch die Decken nötig, um die Leitungen aufzunehmen, die Wasser nach oben und Abwasser nach unten führen. Unser Statiker hatte dabei nicht nur einmal den Finger erhoben.

Jetzt, wo fast alles fertig ist und die letzten Wohnungen gerade bezugsfertig werden, kann ich sagen: So einen Umbau hin zu einem zweiten Leben eines Gebäudes machen wir nicht alle Tage. Natürlich wurden wir dabei auch immer wieder mal überrascht, etwa von „Details“, die in den alten Bauplänen nicht verzeichnet waren. Aber irgendwann – und dafür mein besonderer Dank – hatte unser ganzes Planer-Team um Projektleiter Rüdiger Schmidt so etwas wie sportlicher Ehrgeiz gepackt. Die Verleihung des imAwards 2017 der Fachzeitschrift Immobilienmanager ist dafür nur eine Anerkennung. Die wichtigere sind natürlich zufriedene Mieter.

Fotos: Andreas Hagemann, Manos Meisen

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